WingTsun (Wing Chun oä)

Der Name der Kampfkunst stammt aus dem Kantonesischen, deswegen gibt es keine eindeutige Umschrift des Begriffes. Aus markenrechtlichen Gründen und um sich von anderen Schulen und Verbänden abzugrenzen (siehe weiter unten), sind zahlreiche Schreibweisen gebräuchlich, so z. B. Wing Tsun (W.T.),
Wyng Tjun, Ving Tsun (V.T.), Wing Tzun, Wing Chung, Wing Shun, Wing Tsung, Wing Tsjun, Wing Tjuen, Ving Chun (VC), Wing Do, Dynamic Ving Tshun (DVT), Wing Zun. In Pinyin, dem offiziell verwendeten Umschriftsystem des Hochchinesischen (Mandarin), werden die Schriftzeichen als Yǒngchūn transkribiert. Die einzelnen Umschriften repräsentieren zum Teil Derivate von größeren Verbänden und zum anderen völlig verschiedene Unterstile, die nur noch oberflächliche Gemeinsamkeiten haben.


Geschichte


Entstehung von Wing Chun


Die frühesten schriftlichen Aufzeichnungen über Wing Chun datieren aus dem Jahr 1854, belegt durch Schriftforschungen des Foshan-Museums und der Chin Woo Athletics Association of Foshan.


Das moderne/populäre Wing Chun mit seinen charakteristischen sechs Formen und der Chi-Sao-Übungen der „rollenden Hände“ Poon Sao geht aktuellen Erkenntnissen nach auf die Studien des Lehrerkreises um Yuen Kay Shan (chinesisch 阮奇山, Pinyin Ruǎn Qíshān) und Yip Man (chinesisch 叶问, Pinyin Yè Wèn) zurück.


Das traditionelle Wing Chun geht nach der mündlichen Überlieferung von Großmeister Ip Man und anderen Quellen zurück auf das untergegangene Süd-Shaolin-Kloster in der chinesischen Provinz Fujian, welches von den Qing-Truppen gegen Ende der Ming-Dynastie zerstört wurde. Die letzten buddhistischen Vertreter des traditionellen Wing Chuns waren der Süd-Shaolin-Abt Chi Sim und die Äbtissin Ng Mui, welche flüchteten und dann das Wing-Chun-System an Yim Wing Chun weitergaben. Die Mönchslinie des Wing Chun aus Süd-Shaolin ging mit der Zerstörung des Klosters unter.

Neuere Geschichte

                             Yip Man

 

 

Die heute weltweit bekannteste Stilrichtung des Wing Chun geht auf den Kampfkünstler Yip Man (1893–1972) zurück.

Stilrichtungen


Die bekanntesten Wing Chun-Stilrichtungen sind:


 Ip-Man-Stil
 Yuen-Kay-Shan-Stil
 Pan-Nam-Stil
 Yiu-Choi-/Yiu-Kay-Stil


Zu den weniger bekannten Stilen sind zu zählen:


 Pao-Fa-Lien-Stil
 Yuen-Chai-Wan-Stil (Nguyen Te-Cong)

 Yip-Kin-Stil


Als Unter-Stil des Yip-Man-Stil ist, aufgrund seiner weltweiten Verbreitung, das


 Wing Tsun (Leung Ting Stil) zu nennen. Leung Ting, der nach eigenen Angaben auch die überprüften Ergebnisse seiner eigenen und der Kampferfahrungen, die seine Schüler und andere Wing Chun-Kämpfer
bei Kung Fu Wettbewerben erzielten nutzte, um diese Methoden später zum neuen, weltweit gültigen Unterrichtssystem der I.W.T.MA.A (heutige IWTA) zusammenzufassen wählte, um diesen deutlichen
inhaltlichen Unterschied gegenüber dem Yip-Man-Stil kenntlich zu machen, die Schreibweise „Wing Tsun“ (heute WingTsun).


Des Weiteren gibt es noch weitere Unter- oder Hybridstile diese Stilrichtungen. Die umfangreichste Dokumentation liegt derzeit zum Yip-Man-Stil und dem Pan-Nam-Stil vor.


Prinzip und Technik


Der Grund-Stand


Die Hauptposition im Wing Chun heißt Yee Jee Kim Yeung Ma, im Wing Tsun auch IRAS genannt. In diesem Stand werden die Formen ausgeführt oder auch Chi-Sao-Übungen trainiert. Weiterhin bildet er das Fundament für fortgeschrittene Techniken.


Techniken


Ein typisches Element einiger Wing-Chun-Stile ist der Kettenfauststoß. Je nach angegriffenem Körperteil und Intention des Kämpfers werden Fauststöße, Fingerstiche, Handkantenschläge oder Hammerfäuste bei Schlägen eingesetzt.


Die Kraft des Gegners wird durch Schritttechniken wie Wendungen neutralisiert und gegen ihn verwendet (Gleichzeitigkeit von Angriff und Abwehr): Der Angriff ist die Verteidigung. Ein Schlag des Gegners wird so beispielsweise durch einen konternden Gegenschlag abgewehrt.


Der Stil ist weiterhin durch seine Trittarbeit charakterisiert, die nur sehr wenige Grundtritte umfasst und mit der im Allgemeinen nur niedrige Ziele bis etwa zur Höhe der Hüfte angegriffen werden.

                                   

                                       Doppelmesser

Wing Chun war ursprünglich eine Kampfkunst ohne Waffen.


Im frühen 19 Jahrhundert erweiterten Wong Wah Bo (Schüler von Leung Bok Chow, dem Ehemann der Stilgründerin Yim Wing Chun) und Leung Yee Tai (Schüler des auf der Roten Dschunke untergetauchten Süd Shaolin-Abts Chi Sim den Kung-Fu-Stil um zwei Waffenformen):


 Langstock (Kwun/Kwan)
 Doppelmesser (Wu Dip Seung Do / Dao)


Die Übungen und Formen wurden den Prinzipien des Wing Chun angepasst.


Historische Dokumente hierzu sind nicht überliefert. Wong Wah Bo wird in vielen anderen Entstehungslegenden anderer Stile (z. B. Hung Kuen) erwähnt. Seine Existenz ist weder belegt noch widerlegt. Er spielt in nahezu allen Wing-Chun-Legenden eine Schlüsselrolle.


Formen


Die ersten Grundlagen des Wing Chun werden zumeist in kurzen (San Sao) oder langen Formen erlernt und geübt. Formen sind festgelegte Abfolgen von Techniken, die jeder Schüler alleine durchführt. Die Formen des Wing Chun sind (wie auch die japanischen Kata oder die Koreanischen Hyeong) wie ein „Notizbuch“ zur Vermittlung von Theorien und Techniken zu verstehen und nicht als ein ritualisierter Kampf gegen imaginäre Gegner. Reihenfolge, Anzahl und Art der Formen ist in den verschiedenen Wing-Chun-Familien oftmals sehr
unterschiedlich. In einigen Wing-Chun-Familien werden weniger als die nachstehend aufgeführten sechs bekanntesten Formen praktiziert, in anderen werden mehr oder gänzlich andere Formen unterrichtet.


Die bekanntesten Formen sind:

             Trainingsgerät Muk Yan Jong (in deutsch Holzpuppe)

 

 Siu nim tau / Siu Lim Tao (chinesisch 小念头, Pinyin xiǎo niàntou ‚Grundidee‘, ‚Kleine-Idee-Form‘, wörtl. „Kleine Idee im Kopf“.) Die Siunim tau Form ist die erste Form im Wing Chun System. Hier lernt man in
8 Schritten (häufig als „Sätze“ bezeichnet) verschiedene Grundlagen in Angriff und Verteidigung. Die Siu nim tau wird im Grundstand durchgeführt. Schrittarbeit und Wendungen sind (in der Regel) noch nicht vorhanden.


 Chum Kiu / Cham Kiu (chinesisch 寻桥, Pinyin xún qiáo ‚eine Brücke bauen‘) Die Chum Kiu Form beinhaltet hauptsächlich Defensivtechniken sowie Techniken zur Distanzhaltung und Distanzüberbrückung zum
Gegner. In dieser Form kommen Schritte, Wendungen und Tritte hinzu.


 Bju Tse / Biu Tze (chinesisch 标指, Pinyin biāo zhǐ ‚Stoßende Finger‘) In der Biu Tze Form sind hauptsächlich Offensivtechniken enthalten. Die Biu Tze Form wird auch oft als „Notlösungsform“ beschrieben, da sie auch vermittelt, wie man durch Angriffe von einer ungünstigen wieder auf
eine günstige Position im Kampf kommen kann. Da in dieser Form unter anderem gefährliche Techniken wie Fingerstiche in die Augen, Handkantenschläge zum Hals und verschiedene Ellenbogentechniken
zum Kopf enthalten sind, wird die Biu Tze von vielen Lehrern und Meistern oft nur an vertrauenswürdige und treue Schüler weitergegeben. Aus dieser Tradition stammt der in Wing Chun Kreisen verbreitete Spruch „Die Biu Tze verlässt niemals das Haus“.


 Mok Jan Chong / Muk Yan Jong (chinesisch 木人桩法, Pinyin mùrénzhuāng fǎ ‚Holzpuppe‘) die Muk Yan Jong Form ist die höchste waffenlose Form im System. Sie enthält sowohl Techniken aus den
vorherigen Formen, als auch neue Techniken. Alle Techniken werden an der Holzpuppe geübt. Das Training an der Holzpuppe verfolgt verschiedene Ziele. Eine davon ist, sich auch gegen stärkere, nicht
nachgebende Gegner durchzusetzen. Des Weiteren werden die Extremitäten des Praktizierenden auf Dauer abgehärtet. Die Holzpuppe wird oft auch als Ersatz für einen Trainingspartner gesehen.


 Luk Dim Bun Guan / Luk Dim Ban Kwun (chinesisch 六点半棍法, Pinyin liù diǎn bàn gùn ‚6,5 Punkte Langstock‘) Die Luk Dim Ban Kwun ist Langstockform und somit die erste Waffenform im Wing Chun System.
Der Langstock hat seine Funktion als Waffe aufgrund der Länge (in der Regel 2–3 Meter) weitestgehend verloren. Heutzutage wird der Langstock mehr als Trainingsgerät zur Verbesserung der Ganzkörperstruktur bzw. der Haltung des Körpers, der Explosivkraft und Verbesserung der Präzision der einzelnen Handpositionen verwendet.


 Pa Cham Dao / Bart Cham Dao (chinesisch 八斩刀, Pinyin bā zhǎn dāo ‚8 Wege der Doppelmesser‘). Die Bart Cham Dao ist die letzte und „höchste“ Form im Wing Chun System. Sie vermittelt weitere Techniken
und Bewegungsformen und schließt das System ab.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wing_Chun

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